Sprachstörungen bzw. Behinderungen

Und schon sind die kleinen keine Babies mehr. Hier hast Du Gelegenheit über die 1-5 järigen Kinder zu diskutieren.
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Scarlet
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Sprachstörungen bzw. Behinderungen

Beitragvon Scarlet » 15.12.2004, 02:24

Hallo!

Ich möchte hier über meinen 5 1/2 jährigen Sohn berichten, bzw. fragen, ob es hier noch andere Eltern hat, die damit Erfahrungen gemacht haben.
Mein Sohn Kaj hat sich eigentlich ganz normal entwickelt. Auch die Schwangerschaft war soweit normal, bis auf frühzeitige Wehen im sechsten Monat, die ich mit Magnesium gut in Griff bekam (dasselbe geschah bei meinem Jüngsten).
Allerdings gab es Probleme mit der Sprachentwicklung. Kaj bildete sich seine eigene Sprache. Wir, dass heisst mein Mann, meine Tochter und ich und das ganze Umfeld redeten ganz normal mit ihm, wir redeten viel mit ihm, erzählten Geschichten, das volle Programm (und zwar von Anfang an "normal", keine "Babysprache"). Verstanden werden konnte er aber nur von uns, die wir immer um ihn herum waren.
Als Kaj ca. drei Jahre alt war, sprach ich das Problem bei meiner Kinderärztin an. Das kommt schon noch war die Antwort. Nachdem sie aber meine Tochter falsch behandelte, wechselte ich den Kinderarzt. Der erkannte glücklicherweise das Problem und überwies Kaj zur Abklärung an das Inselspital in Bern. Das Resultat: schwerwiegende Sprachbehinderung im Sinne der IV. Ich wurde dann an eine einfach wunderbare Logopädin überwiesen. Kaj ging fast zwei Jahre, zweimal in der Woche zu ihr. Schon da machte er langsam einige Fortschritte, doch fiel auf, dass er oft sehr gehemmt, und sich seines "Problems" voll bewusst war. Ein "normaler" Kindergarten kam absolut nicht in Frage, Kaj ist sehr sensibel, er hätte es bemerkt, wenn gespottet worden wäre. Deshalb riet mir unsere Logopädin zu einem Sprachheilkindergarten in Biel - ich sah mir das ganze an und war begeistert. Bevor er aufgenommen werden konnte, musste Kaj aber noch durch die Erziehungsberatung Biel abgeklärt werden. Dabei kam heraus, dass Kaj überdurchschnittlich intelligent ist.
Seit diesem Jahr besucht Kaj nun also diesen "speziellen" Kindergarten (und wird auch noch ein weiteres Jahr dort sein). Er macht grosse Fortschritte, redet "normal", dass heisst einigermassen verständlich, kann aber noch keine richtigen Sätze bilden. In seine Phantasiesprache fällt er nur dann, wenn er mit seinem Bruder Fabian (2 1/2) spricht. Leider - denn Fabian nimmt diese jetzt auch an.
Nach den Feiertagen werde ich mich wegen Fabian an "unsere" Logopädin wenden müssen - es sieht ganz danach aus, als ob dass ein ähnlicher "Fall" ist. "Unsere" Logopädin und auch die Logopädin aus Kaj's Kindergarten sind der Meinung, dass es durchaus familiäre Häufungen geben kann :( .
Gibt es hier Leidensgenossinnen mit ähnlichen Problemen?

Liebe Grüsse
Scarlet
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Beitragvon aalina » 15.12.2004, 12:20

Hallo Scarlet,

ich kenne dieses Porblem :cry:
Meine älteste ist heute 11 Jahre alt.Sie hat auch nie "normal" gesprochen,sondern in ihrer eigenen Sprache.Diese war natürlich auch nur von uns zu verstehen.
Ich war damals bei 3 verschiedenen Kinderärzten,weil ich es komisch fand das sie mit fast 3 Jahren noch nicht sprechen konnte.Die Kinderärzte versicherten mir,das sei normal.Das käme noch wenn sie in den Kindergarten käme...usw.
Als sie mit 3 in den KiGa kam sagte die Leiterin auch,wir sollten ein halbes Jahr warten.Das halbe Jahr verging..nix tat sich.
Wir wurden vom KiGa zum Logopäden geschickt.Dieser schickte uns erstmal zum HNO zum Hörtest.Dabei kam raus das sie Wasser hinterm Trommelfell hatte.Das war schon so lange dort,das es mittlerweile schon zähflüssiger Schleim war.
Wir bekamen eine Überweisung zur HNO Klinik wo meine Tochter,mittlerweile 4 Jahre, operiert wurde.Sie bekam einen Schnitt ins Trommelfell gemacht,wo sog. Pauckenröhrchen eingesetzt wurden damit das Wasser abfließen konnte.
Danach erst konnten wir eine Sprachtherapie beim Logopäden beginnen.
Diese hat sie dann auch gemacht,bis sie mit 6 auf die Sprachheilschule kam.Dort war sie 3 Jahre und konnte erfolgreich in der 3. Klasse auf einer normalen Grundschule eingegliedert werden.

Alles in allem könnte ich mich selbst in den Hintern beißen,das ich nicht früher und von alleine zum HNo gegangen bin.Aber man vertraut den Ärzten ja meist.
Meine Tochter hat dadurch eine sehr schwere Zeit durchmachen müssen.
Die KInder im REgelkindergarten waren grausam.Sie haben es ausgenutzt,das sie sich über die Sprache nicht wehren konnte.So wurde sie oft Opfer der anderen Kinder,wurde oft verprügelt,gemobbt... :cry:
Da sich Kinder mit Hörbehinderung oftmals nur durch lautes Schreien bemerkbar machen können,hatten wir auch noch lange Jahre danach die Hölle auf Erden.Das meine Tochter das Schreien ja lange nur kannte um sich durchzusetzen,legte sie das auch so schnell nicht mehr ab.
Jedesmal wenn ihr etwas nicht passte schrie sie.Wir warne Jahrelang Stammkunden bei der Erziehungsberatung,was uns aber auch sehr geholfen hat.
Bei der Logopädie,in der Schule und auch bei der Eziehungsberatung sagte man uns,das sei normal.Das wäre bei Hörbehinderungen nicht selten.Die Kinder leben jahrelang in diesem Verhaltensmuster.Und diesen könnten sie so schnell nicht ablegen.
Mittlerweile hat sie es seit knapp 2 Jahren so gut wie abgelegt.Ab und zu kommt es leider noch mal durch.Wie im Moment,sie ist vorpupertär.Da haben wir natürlich wieder mal Phasen wo sie extra laut heult/schreit wenn ihr etwas nicht passt.
Aber da müssen wir durch.Uns wurde auch gesagt,wir sollen nicht nachgeben,konsequent bleiben...denn sie benutzt die schreierei dann auch als Druckmittel uns gegenüber...

LG Veronica
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Beitragvon Scarlet » 16.12.2004, 00:14

Hallo Veronica

Dieses Thema habe ich auch noch in einem anderen Forum gepostet. Ich bekam dort sehr viele Antworten, wobei bei einigen auch ein Zusammenhang mit einer Hörbehinderung festgestellt wurde. Bei der Abklärung wurde mein Sohn auch darauf getestet, es wurde aber keine Auffälligkeit festgestellt.
Das Kinder im Regelkindergarten so reagieren können, habe ich mir gedacht. Ich bin froh, dass mich unsere Logopädin auf den Sprachheilkiga aufmerksam gemacht hat - ich hatte selber keine Ahnung von solch einer Einrichtung. Offenbar habe ich aber auch sehr viel Glück gehabt. Viele Frauen haben mir geschrieben, denen von ihren Logopädinnen nahegelegt wurde, das Kind doch bitte schön in eine Schule, bzw. Kiga für Behinderte zu stecken. Obwohl häufig in Erziehungsberatungsstellen festgestellt wurde, dass diese Kinder überdurchschnittlich intelligent seien.
Geht Deine Tochter jetzt in eine Regelklasse? Und wie gehst Du persönlich mit diesen Problemen um? Ich habe (auch persönlich) die Erfahrung gemacht, dass Kinder mit Sprachproblemen allgemein Verhaltensauffällig sind - anders können sie sich häufig ja auch nicht ausdrücken.

Liebe Grüsse
Scarlet
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Beitragvon aalina » 19.12.2004, 16:14

Hallo Scarlett,

ja meine Tochter geht nun schon das 3. Jahr auf eine Regelschule.Mittlerweile besucht sie die 5. Klasse einer Hauptschule.Sie hat dort auch keine Probleme Anschluß zu finden.Mit viel Glück kann sie sogar im nächsten Schuljahr auf eine Realschule wehseln,da ihre Noten super sind :D
Was meinst damit,wie ich mit den Problemen umgehe?Welche Probleme meinst Du genau?


LG und einen schönen 4.Advent
Veronica
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Re: Sprachstörungen bzw. Behinderungen

Beitragvon loreni » 16.02.2016, 11:29

Bei meinem Neffen war das ganz ähnlich. Er hat jahrelang nicht sprechen gelernt, immer in seiner eigenen Phantasiesprache erzählt, die meisten Ärzte hieltendas mehr oder weniger für hoffnungslos. Aber einer, ein aufgeschlossener Schulmediziner, ist da mit sehr merkwürdigen Methoden rangegangen und hat das Problem tatsächlich beheben können. Das war irgendwie eine Blockade im Sprachzentrum. Zu den Methoden kann ich leider nichts sagen, irgendwas mit Pendel, was sehr nach Hokuspokus klingt. Mit diesen seltsamen Methoden hat er aber auch andere Probleme lösen lönnen.

Es muss also keine Hörbehinderung sein, wenn Kinder nicht sprechen lernen. Un d vielleicht lohnt es sich über den Tellerrand der Schulmedizin zu blicken.


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