kinderwagen und AD(H)S

Und schon sind die kleinen keine Babies mehr. Hier hast Du Gelegenheit über die 1-5 järigen Kinder zu diskutieren.
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kinderwagen und AD(H)S

Beitrag von rhiannon » 23.05.2004, 22:19

in Studien wurde festgestellt, dass viele Kinder, die im Kinderwagen mit dem Gesicht vom „Schieber“ abgewandt sitzen, später als AD(H)S-Kinder auffallen!

Und das hat einen Grund: Ist der Blick der im Kinderwagen sitzenden Kindern nach vorne gerichtet, strömen alle Eindrücke ungefiltert auf sie ein, es gibt keinen Ruhepunkt, an dem sie sich „halten“ können, die Flut der Eindrücke kann nicht verarbeitet werden. Die Psychologen brachten das Beispiel, dass wenn man sich mal auf Kinderhöhe begeben würde und sich so durch eine gut besuchte Fußgängerzone oder einen Park schieben ließe, man sehr schnell begreifen könnte, wo das Problem für die Kinder liegt.

Besonders schlimm sei es für die Kinder, wenn Mama oder Papa den Wagen noch mit erhöhter Geschwindigkeit schiebt (wie z.B. oft mit Jogger-Buggys, hinter denen gejoggt oder geskatet wird). Hier brachte er das beispiel einer rasanten Achterbahnfahrt, bei der alles um einen herum durch die Geschwindigkeit, mit der man bewegt wird "verwischt" und unschaft wird. Nicht umsonst wird einem ja empfohlen, dass wenn einem auf der Achterbahn schlecht wird, man die Augen schließen oder den Blick auf die eigenen Füße konzentrieren soll!

Psychologen meinen, dass die Eltern ihren Kindern oft nur Gutes damit tun wollen, dass sie die Sitzposition so ausrichten, dass das Kind vom "Schieber" weg guckt („Dann kriegt es viele Eindrücke, sieht was von der Welt“). Aber die Kinder werden damit stark überfordert, weil ihnen ein Ruhepol innerhalb des Bewegten fehlt. In Verbindung mit anderen Risikofaktoren (z.B. Dauerberieselung durch Radio, TV, Gameboy & Co) entwickeln viele Kinder ein AD(H)S.

Psychologen empfehlen, sich bei der Anschaffung eines Kinderwagens auch danach zu richten, dass die Kinder in Richtung des „Schiebers“ gucken können und nicht nach vorne.

Auch sprachen sie sich klar gegen Gameboy & Co, Dauer-TV (Fernsehen als "Babysitter" und gegen "Langeweile") und Dauer-Berieselung durch Radio, Kassettenrekorder oder CD-Player aus. Je jünger die Kinder sind, desto weniger dieser elektronischen Unterhalter sollten ihnen zur Verfügung stehen, damit sie „Ruhe“ (von außen aber auch innerlich)lernen können und auch damit sie lernen, sich selbst zu beschäftigen ohne dauerns von irgendjemandem oder irgendetwas animiert zu werden.

Das Problem wäre allerdings, dass es meist die Eltern sind, die „Ruhe“ bereits verlernt hätten und ohne Radio nicht mehr zu Tisch, im Garten und auf dem Balkon sitzen können, ohne Fernsehen nicht mehr putzen, kochen, bügeln, im Bett liegen usw. und ohne laufenden CD-Player keine zwei Meter mehr Auto fahren. Den Kindern werden schon im Kiga- und Grundschulalter Gameboy, Playstation usw. geschenkt statt kreatives Spielzeug, was viele Spielmöglichkeiten bietet (z.B. Puppenstuben, LEGO, Sandkasten, Knetmasse usw.). Sie kriegen haufenweise elektronisches Spielzeug das quietscht, bellt und tönt, wann immer man irgendwo drückt. Vergessen wird, dass Kinder genug Fantasie entwicklen können, um selbst aus Steinen, Sand und Stöcken Traumschlösser zu bauen. Und diese Fantaise wird durch elektronisches Spielzeug zerstört bzw. kann sich nicht gar nicht erst richtig ausbilden.

Beim Kinderwagenkauf wäre es das Wissen um die Überforderung der Kinder durch eine nach vorne ausgerichtete Sitzposition (bei zwei Kindern, die gleichzeitig im Wagen sitzen, ist die "Gegenüber"-Position besser als die "Hintereinader"-Position), beim Umgang mit elektronischen Medien wäre es das Vorbild der Eltern, was einige Risikofaltoren für ein AD(H)S minimieren könnte.

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Beitrag von admin » 23.05.2004, 22:36

ein sehr interessanter und auch einleuchtender text.

thema buggy und vom "schieber" wegschauen: mich verwundert auch das hersteller solcher wagen das nicht berücksichtigen und dementsprechend nicht solche geräte bauen und verkaufen.

habe gerade heute jemanden gesehen, der hinter einem solchen wagen herjoggt. ersten ist es für das kind - wie oben erwähnt und auch verständlich - nicht das beste und für den jogger ja auch nicht gerade sinnvoll. man sollte sich mal einen solchen jogger ohne den wagen vorstellen, das würde ja total bescheuert aussehen, niemand rennt mit einer oder sogar beiden armen vor sich ausgestreckt. kann also auch nicht die beste methode sein um sich fit zu halten.

thema spielzeuge: da wir heute wirklich immer mehr "schrott" als vernünftiges geschenkt. es kann auch etwas einfaches sein. und vor allem haben die meisten kinder sowieso zuviel, so dass sie sich auch immer weniger auf eine sache konzentrieren können.

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Beitrag von nudlä » 24.05.2004, 11:23

das kann ich jetzt auch nachvollziehen, mit dem ads und dem wagen-fahren. allerdings dünkt mich langsam, dass immer mehr gründe gefunden werden, weshalb ein kind ads haben könnte. resp. wird bei immer mehr kindern das diagnostiziert. ich wär sehr vorsichtig beim unrteilen, ob es sich um ads handelt oder nicht. das verhalten des kindes kann durchaus auch schlicht und einfach seinem charakter entsprechen.
auf jedenfall lohnt es sich auf alle fälle ein kind abzuklären, wenn der verdacht im raum steht. ist ein kind extrem hyperaktiv/hypoaktiv, wär ads schon eine ursache.
ausser dem "wagen-fahren" ist auch nicht zu vergessen, dass ads unter anderem ursache von sauerstoffmangel bei der geburt sein kann oder auch einfach in den genen liegen kann, also vererbbar sein kann.
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Beitrag von dodo » 25.05.2004, 08:59

es ist wirklich auffällig das die verschreibungsrate für ritalin (das medikament gegen adhs) in den letzten jahren sprunghaft angestiegen ist und das obwohl der diagnosestellungsweg eigentlich immer länger geworden ist. aber leider gibt es immer noch kinderärzte die sich nach 2min kind angucken dazu entschliessen ein medikament zu verschreiben, daß bei gesunden kinder aggression und einen selbstverletzungstrieb hervor ruft :evil:
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Beitrag von nudlä » 25.05.2004, 09:36

ich bin sowieso der meinung, dass ritalin erst als letztes mittel eingesetzt werden sollte. es gibt diverse andere möglichkeiten, ein pos/ads einigermassen in den griff zu bekommen. zum beispiel mit einer phosphat-diät (resp. anti-phosaphat-diät) wobei das kind keine lebensmittel mit phosphaten essen soll. das wirkt häufig schon wunder und ist relativ einfach umzusetzen. je nach dem genügt es schon, wenn das kind keine fast- und junk-food produkte zu sich nimmt. (würste, chips, süsses gummizeugs, mac-sachen, etc.) sprich: eine natürliche, ausgewogene ernährung bekommt.
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Beitrag von admin » 25.05.2004, 10:19

habe kürzlich jemanden kennengelernt, der mentales training anbietet, hauptsächlich für profisportler aber auch für schüler mit prüfungsangst, oder eben auch adhs kindern.

erstaunlich, was er mir darüber erzählt hatte und wie gut dass diese methode funktionieren kann.

ich denke damit (mit mentahlem training) kann man sehr viel erreichen und müsste nicht dauernd auf medikamente (mit tausend nebenwirkungen) zurückgreifen. (wiedermal bei der symptombekämpfung angelangt)

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Beitrag von nudlä » 25.05.2004, 10:53

admin, ich kenne auch eine übung. die hilft ganz allgemein, da man nachher viel aufnahmefähiger ist. funktioniert deshalb auch zum einschlafen. man sagt sich nach der übung: so, jetzt hab ich noch so und so lange zeit, um zu schlafen und diese zeit schlafe ist gut und erholsam.
für schüler, eben grad auch mit pos, hilft diese, dass die kinder sich wieder besser auf den unterricht konzentrieren können.
ich weiss auch von einer andern übung, wo die hirnhälften danach wieder besser zusammen arbeiten.
diese übungen wirken wunder und sind ohne grossen aufwand zu betreiben.
wenn jemand intresse hat, versuch ich gerne, diese hier zu beschreiben.
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Beitrag von admin » 25.05.2004, 11:38

das wäre toll, wenn du uns das mitteilen könntest.

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Beitrag von nudlä » 25.05.2004, 12:05

also, die übung mit den hirnhälften kennen bestimmt einige:

man zeichnet, am besten mind. auf querformat A4, eine grosse, liegende 8. die linien fährt man mehrere male hintereinander nach. weil man während dem zeichnen dem stift nachschaut, passiert da dann eben was im hirn. kinder kann das beruhigen und aufnahmefähiger machen. am besten trinkt man vorher und nachher noch ein glas wasser. das unterstützt die wirkung.

die zweite übung ist etwas komplizierter, aber ich versuch das mal so einfach wie möglich zu notieren:

es handelt sich um eine "koppelübung". das heisst, dass man vor der übung zum beispiel mit der einen hand (immer dieselbe) eine faust macht. (oder die zehen anziehen, oder die beckenbodenmuskeln anspannen)

- auf dem rücken auf den boden oder das bett liegen
- mit der hand eine faust machen (oder eben: zehen oder becken)
- die füsse entweder ganz stark nach oben ziehen oder fest strecken, wies einem wohler ist
- die händ über dem kopf verschränken
- arme strecken
- fest einatmen
- hände nach oben und vorne strecken
- beine mit angezogenen füssen nach oben ziehen
- oberkörper nach oben ziehen
- im ganzen körper soll jetzt eine spannung sein
- luft anhalten, solange wie es geht
- während dem man das macht, sich vorstellen, ein scanner taste einem ab. von oben nach unten und zurück. jeder soll das in seinem eigenen tempo machen.
- einmal "abscannen" (1x rauf, 1x runter)
- wenn die luft knapp wird, ausatmen
- entspannen
- arme neben den körper
- wieder scannen; diesmal mehrere male. ist jetzt problemlos möglich, da keine spannung mehr im körper ist


jetzt ist der moment, wo man sehr aufnahmefähig ist. also wenn man die übung vor dem schlafen macht, kann man sich jetzt sagen, ich schlafe rasch ein, und ich schlafe gut. (der körper glaubt dann, was man sagt)
vor prüfungen kann man sich sagen, dass man jetzt ruhig ist, dass man das wissen hat und den test gut lösen wird.
zappelfilippe können sich jetzt auch sagen, dass sie ruhig sind und gut weiterarbeiten/zuhören können. das kann ihnen auch von aussen gesagt werden (z.b. den eltern)

es ist ganz klar, dass diese übung nicht unbedingt auf anhieb perfekt funtioniert. man muss sie eben üben. wenn man jetzt jedesmal vor beginn die faust ballt, ist es nach einiger zeit möglich, dass man nur noch die faust machen muss, und der körper darauf so reagiert, als hätte man die gesamte übung absolviert. das ist sehr praktisch, wenn man das zum beispiel während einem seminar, vortrag, in der schule, im zug oder wo auch immer in der öffentlichkeit machen will/muss.

ich hoffe, dass das einigermassen verständlich formuliert wurde. ansonsten: wir sind ja ein forum und fragen ist erlaubt :)
*underdähuubä*

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Beitrag von admin » 25.05.2004, 13:12

klingt sehr interessant und ich werd das auch ausprobieren. melde mich dann wieder, hoffentlich mit erfolgsnachricht....

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